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ANNEKE EUSSENANNEKE EUSSEN

"NEUBAU Stuck""NEUBAU Stuck"



June 28th - July 27th, 2013June 28th - July 27th, 2013



Bild/Grafik: Einladungskarte



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„NEUBAU Stuck“

Die LSD Galerie Berlin freut sich darauf, am 28. Juni 2013 die erste Einzelausstellung der niederländischen Künstlerin Anneke Eussen in unseren Räumen in der Potsdamer Strasse 65, zu eröffnen.

Es ist eine eigens an den Raum angepasste Installation entstanden, die sich mit der interpretativen Umkehrung von Perspektiven und Zeitlichkeit befasst. Sie setzt fort. was die Künstlerin im Jahre 2009 und 2010 in der Tatjana Pieters Gallery in Antwerpen in der Ausstellung 'Plattenbau' gezeigt hatte.

Ausgangspunkt von Anneke Eussens Arbeit ist ihr erster Eindruck der Stadt Berlin als städtebauliches Phänomen. Die noch verbleibenden Nachkriegsgebäude bilden die imaginäre Karte einer Stadt, wie sie unmittelbar nach der Kapitulation Deutschlands ausgesehen haben könnte.

Heute definieren diese epochal zusammengewachsenen architektonischen Kombinationen das Stadtbild. “Günderzeit” und “Jugendstil”-Architektur, meist als “Altbauten” bezeichnet, stehen Seite an Seite mit den unterschiedlichsten “Neubauten”. Darunter Plattenbauten, die als schneller Weg galten, um Wohnungsnot zu beheben. In der ehemaligen DDR stand es zudem sinnbildlich für die angestrebte soziale Gleichheit. In der ehemaligen BDR hingegen, wurden Plattenbauten verstärkt im sozialen Wohnungsbau eingesetzt, die niedrigen Baukosten des vorgefertigten Baukastenprinzips garantiert Wohnraum zu erschwinglichen Mieten. Plattenbau wurde Teil einer neuen architektonischen Ära, später als “Moderne” bezeichnet, die sich gegen die “Historische Architektur” wandte, gegen ihre spielerischen, dekorativen Erscheinungselemente.

Die modernistische Idee, Architektur auf das Wesentliche zu reduzieren, ist, aus der Sicht der Künstlerin Eussen, ein passgenaues Bild, um die Position des besiegten Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg zu verdeutlichen. Der “Zeitgeist” war nun weit entfernt von Feier oder Überfluss. Demut erfordert dem Leben die Hinwendung zu den rein elementaren Grundlagen. Das aktuelle Berliner Stadtbild übernimmt diese demütige Haltung bis heute in einer recht unspektakulären Skyline.

2009 und 2010 machte Annekke Eussen zum ersten mal Plattenbau-Architektur zu ihrem Thema. 2013 visualisiert sie dieses typische Berliner Phänomen in der Rauminstallation “NEUBAU Stuck”. In der Berliner Innenstadt haben modernistischen Gebäude nicht die alte Architektur ersetzt. Die “Neubauten” füllen nur die Lücken zwischen den “Altbauten”. Eine Fusion von mehreren architektonischen Philosophien schafft eine Situation, die bestimmend ist für die soziale Struktur der Stadt.

NEUBAU Stuck”, ist eine Arbeit, die von der Zusammenstellung der Materialien einer vergangenen Epoche lebt, dabei die Form einer anderen einnimmt. Selbst wenn Modernismus ornamentale Dekoration verbannen wollte,  ist es mit dem gegenwärtigen Leben in den Straßen von Berlin verschmolzen.

Die “Stuckleisten” zeichnen einen genauen 1-1 Grundriss der beliebtesten Arten modularen Plattenbaus (PS2 und WBS70). Diese Grundrisse erscheinen als modernistischen Strukturen im Galerieraum.

Thematisch führt dieses neue Werk Eussens konsequent ihre Auseinandersetzung zu den Themen von Werten und deren Wandel weiter fort. Selbst wenn wir von einem, zum optimaleren nächsten Ideal streben, verändert sich die Wirklichkeit nur in dem Maße, wie das Ideal zur Anwendung kommt, nur so kann Wandel als Neusortierung gesehen werden.



Bild/Grafik: Detail



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„NEUBAU Stuck“

LSD Galerie Berlin is looking forward to the opening of the first solo exhibition by the Dutch born artist Anneke Eussen on June 28th, 2013, taking place in the gallery space at Potsdamer Strasse 65.

Anneke Eussen's interest was triggered by her acknowledgement that the post-war buildings in Berlin preserved an alternative map of what the city must have looked like after Germany’s capitulation in 1945. Surreal architectural combinations define the actual urban landscape. “Günderzeit” and “Jugendstil” architecture, often being referred to as “Altbauten” are neighbored side by side with the “Neubauten”. Plattenbau was used as a fast way to resolve the shortage of housing. In the former GDR (East Germany) it became a matching ideal to equality. In the former BDR (West Germany), Plattenbau was also used to create social housing. The low construction cost of this prefabricated modular principle guaranteed living space at an affordable rent. Plattenbau became part of a new architectural era, that would later be named “modernism”. Modernism turned against “Historical architecture” and its playful, ornamental appearance.

The modernist’s idea to reduce architecture to essentials is, suited as a perfect solution for Germany’s defeated position after World War Two. “Zeitgeist” was far from celebration or abundance. Being humble reduces life to its basics.

Considering Berlin's appearance today, one could recognize this humble attitude in a very unspectacular skyline.

In 2009 and 2010 Anneke Eussen created her first works related to the Plattenbau architecture. In 2013 she build further upon this theme with the “NEUBAU Stuck” works, that visualize a typical Berlin phenomenon. In Berlin's city centre, modernistic buildings haven’t replaced the old architecture. The “Neubauten” merely fill up holes between the “Altbauten”. A fusion of multiple architectural philosophies creates a situation, which also determines the social structure of the city.

“NEUBAU Stuck”, is a work, which finds its existence in the compilation of materials from one period and its shape from another. So even if modernism tried to ban ornamental decorations, they have become “one” in contemporary street life of Berlin.

The “Stuckleisten” draw an exact 1-1 floor plan of the most popular types of a modular Plattenbau. (PS2 and WBS70). Presenting these floor plans in a gallery space turns them into modernistic structures.

Thematically these new works connect to the artist's idea about “changing values”. Even if we try to change from one ideal to the next, the actual reality rises with its application, and in that case change is just a rearrangement.